Das ist wohl eines der am häufigsten diskutierten Themen überhaupt. Immer wieder hört und liest man von Naturteichen, naturnah angelegten Teichen oder einfach nur die Behauptung, man könne Koi wie Wildkarpfen in der Natur halten. Das ist aber grundsätzlich falsch. Sicher gibt es Ausnahmen, aber diese sind selten und haben in der Regel auch einen Grund. Ich möchte Euch kurz erläutern, warum diese Behauptungen zu 99.9% falsch sind:

  1. Ein Naturteich funktioniert so lange, wie alle Komponenten des biologischen Systems im Einklang sind. In diesen Teichen kommen in der Regel auf viele 1000 Liter Wasser ein Fisch. Der seit Jahrzehnten, Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden angesammelte Schlamm verfügt über die notwendige Biologie. Damit ein Teich nicht austrocknet, wird er entweder durch einen Bach, durch eine Quelle oder durch Schichtenwasser gespeist. Reines Regenwasser wäre kein geeigneter Lebensraum für Fische. Auch Naturteiche unterliegen stetigen Schwankungen in Wasserqualität, Futterangebot, Temperatur und Besatz. In Naturteichen sterben regelmäßig Teichbewohner, auch Fische, was man bei unseren teuren Koi in aller Regel verhindern möchte. Schwache Fische werden natürlich ausselektiert, werden von Räubern gefressen und machen Platz für andere Bewohner. All das versuchen wir in unseren Teichen zu verhindern.
  2. Koi sind Karpfenfische, aber mit besonderen Eigenschaften. Während uns die Zeichnung, die Farbqualität und die Körperform bei wild lebenden Karpfen egal sein dürfte, sieht das bei unseren Koi ganz anders aus. Auch sind wildlebende Karpfen in der Regel viel robuster als unsere hochgezüchteten Koi.
  3. Nahrung ist nicht gleich Nahrung. Während man z.B. in der Aquakultur auf schnelles Wachstum in Verbindung mit maximalen Volumenaufbau setzt, so wird bei der Koihaltung auf gesundes Futter mit Vitaminen und vielen Spurenelementen, für bessere Farben, eine ideale Körperform und Vitalität gesetzt. Ein Koi wächst bei optimalen Bedigungen sehr schnell und muss trotzdem keine der vorgenannten Eigenschaften einbüßen.
  4. Im Naturteich ist das Wachstum der Fische stark vom natürlichen Futterangebot und von der Witterung abhängig. Während die großen Wassermengen in diesen Teichen recht träge auf Temperaturänderungen reagieren, können durchschnittlich  warme Sommer für starkes Wachstum und kalte Sommer für sehr geringes Wachstum verantwortlich sein. In vielen von unseren Koiteichen schwanken die Temperaturen im Tagesverlauf in der Regel stärker und schwankende Temperaturen kosten unseren wechselwarmen Tieren viel Energie, die für das Wachstum verloren geht. Somit wäre es ratsam, im Jahresverlauf für möglichst stabile Temperaturen zu sorgen. Gerade das Thema Temperatur wird in solchen Diskussionen um die Vergleichbarkeit von Naturteichen mit unseren Koiteichen häufig vergessen.
  5. Das Thema Wasserqualität ist auch ein Punkt, der immer wieder für Zunder sorgt. Was ist Wasserqualität? Im Naturteich ist uns die Algenblüte egal, die Teichbewohner fühlen sich von der Außenwelt abgeschirmt und verhalten sich wie Wildtiere. Jeder Angler weiß, dass in einem Naturteich mit ausreichendem Futterangebot das Spiel mit dem Köder unter Umständen Minuten dauert, bis er gefressen wird. Ein wildlebender Karpfen würde uns unter diesen Bedingungen auch nicht aus der Hand fressen. Also Wasserqualität hat schon mal in primärer Hinsicht nicht sehr viel mit der Algenblüte zu tun und trotzdem wollen wir diese in unseren Koiteichen nicht haben. Aber die Algenblüte und auch Fadenalgen beeinflussen sekundär die Wasserqualität, nämlich durch die Photosynthese. So reichert sich der Sauerstoff über einen sonnigen Tag weit über 100% an und fällt in der Nacht wieder rapide ab. In Naturteichen mit gesundem Besatz macht das nicht so viel aus, denn die Teichbewohner kommen auch noch mit 5-6mg/Liter Wasser gut zurecht. In unseren Koiteichen hingegen, die einer Massentierhaltung gleichen, wäre ein Abfall auf 5-6mg /Liter lebensbedrohlich für unsere Koi, denn der Sauerstoffgehalt wird durch die Atmung der Fische weiter reduziert und durch die geringere Wassermenge ist das ein stark limitierender Faktor. Man kommt also nicht umhin den Koiteich zusätzlich zu belüften. Wer aufmerksam in der Natur unterwegs ist, weiß dass teilweise sogar Naturteiche mit Sauerstoff angereichert werden müssen, um ein Fischsterben zu verhindern. Feuerwehren pumpen dafür Wasser im Kreis und sorgen so für Gasaustausch.
  6. Schadstoffanreicherung ist ebenfalls ein limitierender Faktor, sowohl in unseren Koiteichen, als auch in Naturteichen. In Naturteichen sorgt in der Regel die schier unglaubliche Biomasse für die Aufnahme der Schadstoffe, während in unseren Koiteichen die Biofilter und Wasserwechsel diese Aufgabe übernehmen. Pflanzenfilter, die solch eine Aufgabe übernehmen sollen, müssen im Verhältnis recht groß angelegt sein, um den gleichen Effekt zu erzielen. Kommt es dann aber zu einem Krankheitsbild, wird eine Behandlung schwierig, denn die Biomasse baut auch das Medikament sehr schnell ab. Die Anwendung von Salz ist in diesen Teichen nicht möglich.
  7. Aerobe Abbauvorgänge verbrauchen viel Sauerstoff im Teich. Dabei ist es vollkommen egal, ob dies im Naturteich oder in unseren Koiteichen passiert. Je mehr Biomasse abgebaut werden muss, je mehr Sauerstoff wird dem Wasser durch die Bakterien entzogen. Ist kein Sauerstoff für den Abbau vorhanden, dann führt dies zu anaeroben Abbauvorgängen.
  8. Anaerobe Abbauvorgänge sind alles andere als wünschenswert. Die anaeroben Bakterien brauchen keinen Sauerstoff, sie bringen also im Prinzip selber mit, was sie zum Leben benötigen. Neben dem stechenden Faulschlammgeruch verdrengen diese nach und nach auch die aeroben Bakterien und setzen Giftstoffe im Teich frei. Auch bindet der Faulschlamm den letzten verfügbaren Sauerstoff. Nehmen diese Vorgänge im Teich also überhand, kommt es zum Fischsterben. Darum ist ein funktionierender mechanischer Filter in solch stark belasteten Koiteichen in meinen Augen Pflicht! Schmutzecken, die schlecht mit Frischwasser durchströhmt werden können sollte man vermeiden, denn dort fehlt früher oder später der notwendige Sauerstoff und es kommt zur Bildung von Faulschlamm.
  9. Bei schlechter Wasserqualität können sich Pathogene Keime auf der geschwächten Schleimhaut vermehren und ernsthaften Schaden anrichten. Bei bakteriellen Probleme in unseren Koiteichen sollte man also sofort handeln und nach der Ursache suchen. Unzureichender Schmutzabtransport und schlechte Wasserwerte sind in der Regel die Ursache für solche Keime. Bei den Koikillern Aeromonas Hydrophyla, Aromonas Salmonicida, Pseudomonas, Vibrio, Flavobacterium Columnaris und Mycobacterium also keine Zeit verlieren. In unseren Koiteichen können diese Keime bei Untätigkeit ganze Bestände auslöschen, in Naturteichen trifft es in der Regel nur einzelne Tiere.

Ich denke, die Unterschiede zwischen Koiteichen und Naturteichen sind hier recht deutlich erkennbar. Ein ordentliches Filtersystem, regelmäßge Wasserwechsel, Belüftung und ein vernünftiges Teichmanagement sollte jeder Koihalter als notwendig ansehen. Klar kann es über Jahre auch so gut gehen, aber wenn es dann zum Crash des Systems kommt, dann oftmals richtig.

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