Das Thema Gesamtgassättigung ist derzeit in aller Munde, doch alleine mit einem Saturometer die Gesamtgassättigung zu messen, sagt noch nicht viel über die Gaszusammensetzung im Teich und damit über die Gefährlichkeit für unsere Fische aus. Man spricht allgemein über eine Gasübersättigung, wenn mengenmäßig mehr Anteile der Luft im Wasser gelöst sind, als sie unter dem herrschenden Luftdruck und der vorhandenen Wassertemperatur gelöst sein dürften. Dabei gilt, je kühler das Wasser, je mehr Gase können darin gelöst sein. Nimmt man die Summe aller im Wasser gelösten Gase, dabei sind Stickstoff mit 78% und Sauerstoff mit 20% die relevanten, spricht man von der Gesamtgassättigung. Sind diese Gase mit der Außenluft im Diffusionsgleichgewicht, hat man alles richtig gemacht. Ist dies nicht der Fall, kann dies mehrere Ursachen haben:

  • Eine natürliche Ursache ist die Photosynthese (biogene Gasübersättigung) der im Wasser befindlichen Algen. Hier kann es am Tage temporär zu einer Sauerstoffübersättigung kommen, was sich in der Nacht durch Aufzehrung wieder relativiert oder gar umkehrt. Dies ist in der Regel kein Problem, da die Gasblasenbildung ein langwieriger Prozess ist und sich Blasenkeime in den Nachtstunden wieder auflösen würden.
  • große Wasserwechsel mit kälterem Wasser (thermisch verursachte Gasübersättigung) haben im Prinzip immer eine Gesamtgasübersättigung zur Folge. Man geht davon aus, dass je 3°C Erwärmung durch das wärmere Teichwasser von ca. 5% Gesamtgasübersättigung auszugehen ist
  • Umsetzen von Koi in deutlich wärmeres Wasser führt zur inneren Gesamtgasübersättigung, also direkt im Koi. Das ist einer der Gründe, warum man das Wasser pro Tag nicht mehr als um 3-4°C erwärmen sollte und große Temperatursprünge gänzlich vermeiden sollte.
  • undichte Rohre, große Einblastiefen bei Luftausströmer, Venturidüsen, falsch ausgelegte Luftheber, luftziehende Wasserpumpen, übermäßige Belüftung

Wichtig ist, dass CO2 aufgrund der guten Löslichkeit im Blut kaum zur Gefahr der Gesamtgassättigung beiträgt, ab einer bestimmten Menge aber ein eigenes Krankheitsbild bietet. In der Hauptsache sind es Sauerstoff und Stickstoff, wobei eine überschaubare Sauerstoffübersättigung nicht die Gasblasenkrankheit auslöst, sondern die Stickstoffübersättigung (bereits ab 102%). Eine Gesamtgasübersättigung sollte auf jeden Fall überprüft werden, denn oft kommt es zur Verstrippung der Gase. Dazu aber später mehr.

Bei Übersättigung kann es zu direkten gefährlichen Schäden wie Läsionen und Embolien kommen, in beinahe jedem Fall aber zur Schwächung des Immunsystems. Offenbar können sich jegliche Arten von Fischen bei langen, ausreichenden Pausen von der Gesamtgasübersättigung erholen (reversibles Krankheitsbild). Ein schlechter Ernährungsszustand scheint nach derzeitigen Erkenntnissen das Krankheitsbild zu verstärken.

Die wirksamsten Möglichkeiten gegen Gasüberdruck:
1. Wasserwechsel möglichst stetig mit kleinsten Mengen (z.B. 0.25 Liter pro Minute pro 10m³) statt regelmäßig in großen Mengen
2. regelmäßig übersättigtes Wasser über einen Rieselfilter/Rieselplatte filtern
3. Belüftung nur so viel wie notwendig und in einer Tiefe von max. 1.5m
4. evtl. Luftheber optimieren (Luftmenge:Fördervolumen) und nein, einen Luftheber zu betreiben heißt nicht automatisch einen übersättigten Teich zu haben
5. Pumpen/ Verrohrung auf Dichtheit überprüfen
6. keine Venturidüsen für die Belüftung verwenden

Im fortgeschrittenen Stadium verhindern die sich bildenden Gasbläschen in den Gefäßen die Blutzirkulation, was zur Unterversorgung und Einblutung führen kann. Das lässt sich u.a. an roten Strichen in den Flossen und/oder Bläschen auf den Kiemen, Glubschaugen sowie Einblutungen unter der Haut feststellen. Auch das Verhalten der Koi erinnert oft an zu hohe Nitritbelastung, Bakterien- oder Parasitenbefall. Somit handelt es sich um sehr diffuse Symptome. In Summe gibt es noch keine völlige Klarheit über die Folgen einzelner höherer Partitialdrücke auch ohne Gesamtgasübersättigung. Besonders bei größeren Koi, können aufplatzende Gasblasen an der Haut flächigen Schaden verursachen, der in der Folge zu Verpilzungen oder Bakterienbefall führen kann.

In früheren Studien, wurde unter Nichtbeachtung des Gesamtgasdrucks die erhöhten Konzentrationen von Sauerstoff und Stickstoff untersucht. Dort wurde eine höhere Tolleranz einer teilweise starken Übersättigung mit Sauerstoff ohne Auftreten von Symptomen festgestellt, bei einer Stickstoffübersättigung hingegen, waren oftmals schon bei geringem Gesamtgasüberdruck Symptome feststellbar. Dies lässt sich u.a. damit erklären, dass an allen Grenzflächen jedes Gasraumes Diffusion stattfindet und somit das Ausperlen des Sauerstoffs auch zum Austragen des Stickstoffs beiträgt (Verstrippung) und somit für Ausgleich sorgt, denn zusätzlicher Stickstoff kann dem Wasser nur über die Oberfläche neu hinzugefügt werden. Zusätzlich wird Sauerstoff für die Zellatmung benötigt, wodurch in der Regel die Bildung von Gasblasenkeimen nur im Gewebe mit weniger Atmungsakitivtät stattfinden kann.

Grunsätzlich muss man sagen, dass Gesamtgasüberduck vom Koi im geringen Maße tolleriert werden kann, denn durch die Zellatmung wird der Sauerstoffanteil im Gewebe abgebaut, wodurch auch der Gesamtgasdruck im Koi geringer wird. Bei einem Gesamtgasüberdruck im Oberflächenwasser, würde es dem Koi genügen, den mechanischen Umgebungsdruck anzupassen, indem er in eine Tiefe abtaucht, in der der Gesamtgasdruck im Gleichgewicht mit dem mechanischem Umgebungsdruck ist. Besonders wenn als Ursache für die Gesamtgasübersättigung die Photosynthese der Algen bestimmt werden kann, sollte man sich meiner Meinung nach keine Sorgen machen, denn dieser Effekt kehrt sich in der Nacht um und Blasenkeime, die für eine Anheftung von weiteren Mikrobläschen notwendig sind, lösen sich dann wieder auf. Erst wenn dauerhaft eine Gesamtgasübersättigung gemessen werden kann, muss man Abhilfe schaffen.

Quellenhinweise:
– Fisch- und Wassertechnik, Vilshofen, http://www.fischundwasser.de/Gasblasen.pdf
Wikipedia
TECHNISCHE UNIVERSITÄT MÜNCHEN (Lehrstuhl für Tierökologie)
Frau Dr. Lechleiter

nützliche PROFI-Geräte (http://www.fischundwasser.de):
1. Gas Analyser für alle Gase (O2, CO2, Gesamtgasdruck, Temp, Luftdruck und Stickstoff) kostet 2.950 Euro als Handgerät
2. Der Saturometer zur Messung des Gesamtgasdrucks alleine kostet 1.350 Euro
3. Der CO2 Sensor zur Direktmessung des CO2 alleine kostet 1.450 Euro

evtl. Interessant für uns:
Inzwischen hat der Hersteller eine optische Sauerstoffsonde auf den Markt gebracht. Den Preis habe ich noch nicht angefragt.

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