Wassertemperatur:
Koi sind wechselwarme Tiere. Sie passen die Körpertemperatur also der Umgebung an. Sinkt die Temperatur im Teich, so verlangsamt sich der Stoffwechsel erheblich. Dadurch sparen Koi im Winter viel Energie, sie gehen also quasi in den Ruhemodus über. Das hat zur Folge, dass man bei hohen Temperaturen relativ viel füttern kann und mit abnehmenden Temperaturen die Futtermengen immer weiter einschränken muss. Mit sinkendem Stoffwechsel verschlechtert sich auch das Immunsystem und die Medikamentenverträglichkeit. Aber auch die Bakterien, die das Wasser reinigen, also das von den Fischen verstoffwechselte Eiweiß, welches als Ammonium über die Kiemen ausgeschieden wird, in Nitrit und anschließend in das Endprodukt Nitrat umwandeln, gehen im Winter in den Ruhemodus über und sind weit weniger leistungsfähig als im Sommer.

Luftdruck:
Der Luftdruck hat direkte Auswirkungen auf die Wasserwerte. Da sich der Luftdruck innerhalb kürzester Zeit teilweise rapide ändern kann, können sich somit auch die Wasserwerte ändern. Das betrifft in erster Linie den Gasaustausch zwische Luft und Wasser, denn mit steigendem oder sinkendem Luftdruck, ändert sich auch der Partialdruck der einzelnen Gase wie Sauerstoff und CO2. Dadurch ändert sich der entsprechende gelöste Gaswert teilweise um mehrere Milligam pro Liter, was u.U. ein Stressfaktor für die Koi darstellt. Wenn im Sommer ein Gewitter im Anmarsch ist, bedeutet das oft einen schnellen Luftdruckeinbruch und damit noch weniger Sauerstoff im Wasser. Darum sollte man dann das Füttern minimieren oder gar einstellen, denn die Summe der Stressfaktoren macht letztendlich das Gift.

Sauerstoff, Kohlendioxid:
Die beiden Gase habe ich hier zusammengefasst, denn das eine ist in Relation vom anderen zu betrachten. Wenn ich also für eine gute Belüftung sorge, dann kann ich davon ausgehen, dass zum einen das CO2 (Kohlenstoffdioxid) ordnungsgemäß ausgetragen und genügend O2 (Sauerstoff) eingetragen wird. Die Menge des im Wasser befindlichen CO2 hat Auswirkungen auf den PH-Wert. Steigt der PH-Wert im Wasser an, so kann man davon ausgehen, dass sehr viel CO2 ausgetragen wird, sinkt er deutlich unter 7, dann ist Vorsicht geboten. Dann ist zu viel CO2 im System, keine puffernde Karbonathärte im Wasser und der Säuresturz droht. Sauerstoff ist wie für uns auch, lebensnotwendig. Sollte der Wert hier unter 5mg/l sinken, dann wird es für Koi gefährlich. Bei kühlerem Wasser kann mehr Gas gelöst werden, bei hohen Temperaturen weniger. Das bedeutet im Teichmanagement, dass ich im Winter weniger belüften muss und im Sommer mehr. Optimal wären 6-9mg Sauerstoff pro Liter Wasser.

Ammonium:
Ammonium ist ein „Abfallprodukt“ bei der Verdauung von Eiweiß und wird vom Fisch über die Kiemen abgegeben. Ammonium ist in einem neutralen bis leicht sauren Wasser  (<=7) relativ ungefährlich, denn nur über einem PH-Wert von 7 steigt der giftige Anteil von Ammoniak, welches aus dem Ammonium im basischen Wasser entsteht an. Ammonium wird dauerhaft vom Koi abgegeben, auch in der Zeit, wo nicht gefüttert wird und der Fisch von seinen Reserven lebt. Allerdings ist die Menge dann natürlich weit geringer als in einer fütterungsintensiven Periode. Da der PH-Wert des Wassers von mehreren Faktoren abhängt, sollte man also dafür sorgen, dass das Ammonium möglischst schnell im Wasser abgebaut wird. Das passiert zum größten Teil im Bio-Filter. Dort muss ein Substrat ins Wasser eingebracht werden, welches von den Bakterien besiedelt werden kann. Dazu zählt z.B. Hel-X, BioChips, Japanmatten, Aquarock und vieles mehr. Haben sich die Bakterien auf dem Substrat angesiedelt, werden die Ammonium-Ionen bakeriell oxidiert zu Nitrit.

Nitrit:
Nitrit entsteht bei der bakeriellen Oxidation von Ammonium-Ionen und gilt als giftig für Fische. Hier ist die Menge das Gift. Es wird immer Nitrit im System geben, denn dies ist die Nahrungsgrundlage für die nitrifizierenden Bakterien und somit notwendig für die Aufrechterhaltung des Filtersystems. Allerdings sollte sich die Nitritmenge im kaum nachweisbaren Bereich bewegen. Also bei ca. <= 0,05mg/Liter, an fütterungsintensiven Tagen kann man gegen Abend auch mal 0.2mg/Liter messen. Wurde per Tröpfchentest Ammonium nachgewiesen, aber kein Nitrit, dann ist der Filter nicht eingefahren, was bedeutet, dass keine nitrifizierenden Bakterien im Filtersystem vorhanden sind. Dann besteht Lebensgefahr für die Koi. Vom Nitritpeak spricht man in der Einlaufphase des Filters, wenn die Ammonium-Ionen zu Nitrit oxidiert werden, aber noch keine Nitrifikanten vorhanden sind, die das fischgiftige Nitrit in das bei weitem weniger schädliche Nitrat umwandeln können. Weil man die Fütterung nicht gänzlich einstellen sollte, denn auch Ammonium muss nachgeschoben werden, ensteht dieser Nitritpeak, der zum Teil enormen Stress für die Fische bedeutet. Darum geht man heute dazu über, Filter ohne Fischbesatz einzufahren. Hier ist wichtig zu wissen, dass sich die Fischgiftigkeit genau entgegengesetzt zum Ammonium verhält, also bei einem PH-Wert>7 ist Nitrit weniger giftig. Wenn ein Teich also mit einem Nitritpeak zu kämpfen hat, aber das Ammonium bereits nicht mehr nachweisbar ist, würde ich Karbonathärte in den Teich bringen und die Belüftung erhöhen, um den PH-Wert anzuheben(7.5-7.8). In diesem Wasser können Koi nach meiner Erfahrung für einige Wochen ohne sichtbare Verhaltensänderungen/ Schäden schwimmen, auch wenn das Nitrit kurzzeitig auf 5mg /Liter ansteigt. Zusätzlich kann man auf 0.1-0.2% aufsalzen, was allerdings die Einlaufphase des Filters etwas erhöht. Vorteil dabei ist, dass die Chloridionen sich dort im Blut der Koi anheften, wo sonst das Nitrit in den Körper gelangt. Das Salz verhindert also nicht das Nitrit, sondern nur die Aufnahme.

Nitrat:
Nitrat ist das Endprodukt des Stickstoffkreislaufs, also der Umwandlung von Ammonium-Ionen in das weitestgehend ungefährliche Nitrat. Vom Ammonium bis hin zum Nitrat wird für die Oxidation, klar – das sagt der Name auch schon, Sauerstoff benötigt, aber auch Kohlenstoff. Damit der Filter also seine Arbeit tun kann, sollte der Bio-Filter belüftet werden. Die Nitrifikation funktioniert in basischem Wasser (PH >7) besser als in saurem Wasser. Allerdings kann bei neutralem Wasser (PH 7) die größtmögliche Futtermenge eingetragen werden, denn dann entsteht nicht das schädliche Ammoniak an den Kiemen der Fische. Nitrat sollte über Wasserwechsel aus dem System entfernt werden. Nitrat ist Dünger für Pflanzen, allerdings können diese auch nur begrenzte Mengen umsetzen. Somit ist ein Anstieg des Nitrats in der Regel nicht durch Pflanzen zu verhindern und nur durch Wasserwechsel aus dem System zu bekommen.

Karbonathärte:
Die Karbonathärte dient als Puffer für den PH-Wert. Steigt die CO2-Konzentration im Wasser an, wird das Wasser ohne Karbonathärte saurer – es droht also ein Säuresturz, der die Kiemen irreperabel schädigen kann. Die Karbonathärte wirkt einem Säuresturz ausgleichend entgegen, ist also ein Puffer, der sich nach und nach aufzehrt. Die Karbonathärte hebt also indirekt (auf keinen Fall direkt) den PH-Wert an. Man sollte darauf achten, dass die Karbonathärte nicht unter 3°dKH sinkt. Dies erreicht man z.B. durch regelmäßige Wasserwechsel, wenn das Ausgangswasser eine entsprechende Wasserhärte hat, oder durch Zusatzstoffe wie z.B. Natriumhydrogencarbonat.

Gesamthärte:
Eine hohe Gesamthärte bedeutet letztlich, dass viele Mineralstoffe im Wasser gebunden sind. Man sollte hier nur darauf achten, dass die Gesamthärte nicht zu gering ist (>7°dGH), sonst könnten den Fischen wichtige Mineralien fehlen.

PH-Wert:
Der PH-Wert ist wichtig, denn an diesem erkennt man einiges. Ein niedriger PH-Wert (<7) heißt in der Regel, dass relativ viel CO2 im Wasser gelöst ist. Das Wasser ist also sauer. In Verbindung mit einer geringen Karbonathärte, könnte es schnell zu einem Säuresturz kommen. Sinkt der PH-Wert unter 6.5, dann wird es kritisch. Sollte man trotz ausreichender Karbonathärte einen sehr geringen PH-Wert haben (Karbonathärte zehrt sich schnell auf), lohnt es sich in jedem Fall die Belüftung zu überprüfen. In der Regel wird bei einer großen Besatzdichte nicht genug CO2 aus dem Wasser ausgetragen, also nicht genug belüftet. Auch Rieselfilter sorgen für einen hervorragenden CO2-Austrag. Bei Luftheber beobachtet man nicht selten, dass der PH-Wert sehr hoch ist (>8), weil dort mit sehr viel Luft gearbeitet wird.

Sonstige:
Es gibt noch diverse andere Werte, die man messen könnte, aber in einem normalen Koiteich reicht es in der Regel aus, die zuvor genannten zu kennen. Sollte man Salz einsetzen, was in meinen Augen eine hervorragende Möglichkeit ist, um eine Stresskette zu unterbrechen oder ein kurzzeitiges Nitritpeak zu überbrücken, dann sollte man auch den Salzgehalt des Wassers ermitteln können. Vom Einsatz von Kupfer (z.B. bei Algen) halte ich persönlich nichts. Im Sommer mag es den Koi keine Probleme bereiten, aber im Winter, also bei niedrigen Wassertemperaturen kann es zum Koikiller werden. Keimdruck, Eisen- und Mangangehalt, Schwermetalle sowie Chlor kann man mal im Labor untersuchen lassen, aber diese Werte muss man in meinen Augen nicht regelmäßig überprüfen.

Ermittlung der Wasserwerte:
Die Wassertemperatur und der Luftdruck lässt sich am effektivsten und sichersten über geeichte Thermometer/ Sensoren ermitteln. Ich nutze dafür meinen TeichManagerV4. Die Bauanleitung dafür findet Ihr auf meiner Webseite. Die anderen wichtigen Werte ermittle ich per Tröpfchentest von JBL. Es gibt auch auch viele andere Hersteller wie z.B. Sera, Tetra, Söll, etc. mit denen ich aber keine Erfahrungen habe. Ich nutze schon immer JBL und bin damit sehr zufrieden. Auch gibt es Teststreifen von den genannten Herstellern, aber diese eignen sich in meinen Augen nur, um eine grundsätzliche Tendenz zu erkennen, sicherer sind auf jeden Fall die Tröpfchentests. Elektronsiche Messgeräte gibt es auch. Die wirklich zuverlässigen kosten aber mehrere hundert Euro und ob man das braucht, muss jeder für sich selber entscheiden. Elektronische Salzmesser z.B. von KoiMedic kosten ca. 65 Euro und gehören in meinen Augen zur Standardausrüstung eines Koihalters dazu.

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